Gelesen – Jean-Jacques Sempé »Das Geheimnis des Fahrradhändlers«

 

Das kleine französische Städtchen Saint-Céron; in dieser beschaulichen Welt lebt Fahrradhändler Paul Tamburin, ein glücklicher Mensch, begnadet im Umgang mit Fahrrädern und darin andere Menschen zum Lachen zubringen. Aber Paul bewahrt ein Geheimnis, denn mysteriöse Kräfte sorgen für ein Ungleichgewicht zwischen Sein und Schein.

Sempé erzählt diese liebevolle Geschichte in einer einfach treffenden Sprache die kongenial mit seinen Zeichnungen harmoniert. Die Leichtigkeit der Bilder, die mit zarten Pastellfarben und einfach anmutenden, feinen Konturen, jede Situation auf den Punkt bringen, ist einzigartig. Oft sind es wunderbare Details, das Punktum, das den Blick anzieht und einen zusätzlich schmunzeln lässt. Die in etlichen Zeichnungen vorkommenden Fahrradschläuche etwa, die zur Überprüfung der Dichtigkeit teilweise in einer mit Wasser gefüllten Schale liegen. Oder der Rennfahrer Sauveur Bilongue, als er das Schwimmbad betritt. Gesicht, Hals, Arme und Beine sind tiefgebräunt während der Rest des Körpers in makellosem Weiß erstrahlt, was eine knappe grüne Badehose noch unterstreicht.

Das Buch ist eine Entdeckungsreise während der man erfährt wie Marken entstehen, dass Mädchen noch komplizierter konstruiert sind als ein Campionissimo-Schaltwerk, wie man gute Portraitfotos macht und wer tatsächlich das Renndreirad erfunden hat. Das und vieles mehr bezaubert bis zum guten Ende. Dann wird es befreiend für den Protagonisten, der nun loslassen kann und nicht mehr die Zügel in der Hand halten muss. Und das ist sogar wahnsinnig komisch. Warum? Weil es einfach so geschieht.

Ein wunderschönes Büchlein von einem unnachahmlichem Zeichner, Erzähler und grossartigem Beobachter. Rund um das Fahrrad und weit darüber hinaus bezaubert Sempé den Leser.  Zum Lesen und Verschenken, nicht nur für Fahrradliebhaber.

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