Die Philosophie des Radfahrens


Für Fahrradfahrer unisono, aber auch für Menschen die das Fahrradfahren noch nicht für sich entdeckt haben, ist dieses Buch durchaus eine Empfehlung wert. Vielleicht möchten sie umsteigen auf das Rad, wie der Autor Robert H. Haraldssons aus Reykjavík . Auch im ruppigen Winter benutzt er sein Trekkingbike auf dem Weg zur Arbeit oder fährt Touren im menschenleeren Hochland Islands. Sein Erleben teilt er in seinen »Philosophischen Lektionen vom Radfahren«.

Touren fahren, Radrennen, Critical Mass, Doping, Technik oder Verkehr. Die Autoren, Philosophen und Journalisten untersuchen unterschiedliche Aspekte des Radfahrens auf Basis ihrer individuellen Erlebnisse und »erfahren« sich ihre Lektionen wie der schon genannte Robert H. Haraldssons oder Steven D. Hales der aus Platons Höhle startet um seine sechs erkenntnisreichen Touren zu bewältigen.

Andreas de Block und Yannick Joye erforschen, nicht nur am Beispiel des »Kannibalismus« ihres Landsmannes Eddy Merckx, Tradition, sportliches Fairplay und die moralische Wahrnehmung im Radsport.

An der Startlinie sind wir alle Philosophen. Ex-Rennfahrerin Heather L. Reid reflektiert über den Versuch eine olympische Athletin zu werden, gedopte Gegnerinnen und über die Kultivierung von Werten in »Mein Leben als Philosophin auf zwei Rädern«. Über feministische Ethik im Radsport geht es bei Pata Suyemoto und Catherine A. Womack.

Tour de France, das Leiden und das bedeutungsvolle Leben – Tim Elcombe und Jill Tracey begleiten zehn Tage die TdF, fahren Teile der Strecke selbst ab und erleben Schmerz als ästhetische Erfahrung. Andreas Zellmer berichtet über L’Alpe d’Huez, den legendären Anstieg, den der 2004 verstorbene Marco Pantani in 37:35 Minuten hochraste. Über den Piraten und seine Dopingpraxis schreibt Raymond Angelo Belliotti in »Ausser Kontrolle«.

Die Fahrradstadt schlechthin – seine Eindrücke aus Kopenhagen schildert Volker Dambeck. Ist es wirklich das Paradies für Radfahrer? Zack Furness macht die Critical Mass Bewegung zum Thema seines Aufsatzes. Zum ersten Mal trafen sich 1992 in San Francisco RadfahrerInnen während der Rushhour nach dem Motto »Wir behindern den Verkehr nicht, wir sind der Verkehr.

Angefangen beim »Rad fahren lernen« von Peter M. Hopsicker bis hin zur Disziplin des Zeitfahrens mit all ihrer raffinierten Technik von Bryce T. J. Dyer – für fast alle Autoren ist das Fahrradfahren zur Lebensart geworden. Steen Nepper Larsen erkennt das Fahrrad als eine Verlängerung des Körpers mit neuen Möglichkeiten. »Ich trete in die Pedale, also bin ich«. Herausgeber Michael W. Austin wird nach einer Rücken-OP vom Läufer zur Radfahrer. Der Konvertit entdeckt das Fahrrad als einen Quell der Freude und sich als Teil einer neuen Gemeinschaft.

Das Buch ist schön gestaltet und wertig hergestellt. Jeder der gerne Rad fährt und Interesse an einer intelligenten Lektüre hat sollte sich das Buch kaufen. Es ist im mairischverlag erschienen.

Herausgeber: J.Ilundáin-Agurruza / M. W. Austin / P. Reichenbach

Autoren

Michael W. Austin (Eastern Kentucky University, USA)
Raymond Angelo Belliotti (State University of New York, USA)
Holger Dambeck (SPIEGEL ONLINE, Deutschland)
Andreas de Block und Yannick Joye (Universität Leuven, Belgien)
Bryce T. J. Dyer (Bournemouth University, England)
Tim Elcombe und Jill Tracey (Wilfrid Laurier University, Kanada)
Zack Furness (Columbia College Chicago, USA)
Steven D. Hales (Bloomsburg University, Pennsylvania, USA)
Robert H. Haraldsson (Universität Island)
Peter M. Hopsicker (Pennsylvania State University, USA)
Steen Nepper Larsen (Universität Aarhus, Dänemark)
Maximilian Probst (DIE ZEIT, Deutschland)
Pata Suyemoto (Privatgelehrte und Radtrainerin, USA)
Catherine A. Womack (Bridgewater State College Boston, USA)
Heather L. Reid (Radsportlerin, Morningside College Iowa, USA)
Andreas Zellmer (dpa-Sportjournalist und Tour de France-Experte)

Erhältlich hier im Verlag: mairischverlag


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