Radfahren in der Bretagne

Meine Süd – Nord-Tour hat mit Sicherheit auf einige etwas abschreckend gewirkt. Wenn die Sonne nicht lacht, der Himmel grau und trüb ist, erscheint vor allem das Landesinnere der Bretagne wenig attraktiv. Aber es gibt ja auch Tage wie oben auf dem Bild und da zeigt das Stimmungsbarometer ganz nach oben.

Meine Raderfahrungen in der Bretagne beziehen sich auf Rennradtouren im Finistère, in der Regel Rundtouren von einem festen Standort aus. Der Strassenbelag ist überwiegend sehr rauh, teilweise schlecht, so dass man bei Abfahrten den Lenker immer fest im Griff haben sollte. Dazu kommen die in Frankreich üblichen Temposchwellen, die je nach Geschwindigkeit erhöhte Aufmerksamkeit verlangen.

Es gibt sehr viele kleine Nebensträsschen, die fast verkehrsfrei sind. Grundsätzlich kann man sagen, je weiter im Landesinneren desto weniger Verkehr. An der Küste und explizit an touristischen Orten oft genau umgekehrt, das ist jedoch abhängig von der Reisezeit. Juli und August ist Hochsaison und die Franzosen, die traditionell Urlaub im eigenen Land machen, nehmen Campingplätze, Hotels und Ferienhäuser in Beschlag. Gegenüber Juni verdoppeln sich die Preise für Ferienhäuser. Die Nordküste empfinde ich ruhiger als den Süden, der jedoch etwas wärmere Temperaturen ausweist.

Französische Autofahrer verhalten sich in der Regel sehr respektvoll gegenüber Radfahrern, der gesamte Verkehr ist generell wesentlich entspannter als in Deutschland. Achtung: auf Hinweisschildern finden sich meist keine Kilometerangaben.

Das Wetter in Bretagne ist immer ein Unsicherheitsfaktor. Auf Sonnenschein folgt schnell mal ein Regenschauer, trübe Tage mit hoher Luftfeuchtigkeit, sehr windige Tage mit Wolken-Sonne-Mix – man sollte auf alles vorbereitet sein. Der Wind ist fast allgegenwärtig und kommt meist aus westlicher, oder nord-westlicher Richtung.

Das Terrain ist nicht zu unterschätzen. Bernard Hinault, der fünffache Tour de France Sieger, hat nur in seiner bretonischen Heimat trainert. Diese Tatsache hat schon eine gewisse Aussagekraft. Sägezahnprofil, meist ein Auf und Ab, nicht einfach einen Rythmus zu finden.

Möchte man unterwegs eine Pause machen und Einkehren, empfiehlt sich die Mittagszeit zwischen 12.00 und 14.00 Uhr, danach gibt es erst abends ab 19.00 Uhr wieder warmes Essen. Man sollte in jedem Fall die heimische Küche bevorzugen, Fisch ist klasse. Italienische Küche ist nicht so der Hit. In vielen Orten finden unter der Woche Märkte statt, die auch kulinarisch einiges zu bieten haben.

Es gibt sicherlich spektakulärere Landschaften zum Radfahren, aber die Bretagne hat ihren Charme. Wer im Hochsommer nicht bei 35 oder mehr Grad radfahren will, könnte hier ein lohnendes Ziel finden.

Bild unten: Reiseradler in Roscoff

In Roscoff hat das Fahrrad eine besondere Tradition. Die Onion Johnnys eroberten den englischen Markt mit ihren »Lastenrädern«

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