Das Land der zweiten Chance

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Hört man Ruanda denkt wohl kaum einer an »Land der tausend Hügel« oder »Gorillas im Nebel«. In unserer Erinnerung ist der Genozid von 1994, als radikale Hutus die Minderheit der Tutsi und gemässigte Mitglieder ihrer eigenen Volksgruppe regelrecht abgeschlachtet hatten. Die Welt war schockiert, innerhalb weniger Monate starben fast eine Million Menschen. Die UN stufte das Land als nicht überlebensfähig ein. Vor dem Hintergrund dieser Ereignisse ist dem Land dennoch ein Neubeginn gelungen. Trotz der noch schwierigen Situation blicken die Menschen nach Vorne und sind zuversichtlich. Einen nicht unerheblichen Anteil daran hat das Fahrrad, die Begeisterung für den Radsport und das neu aufgebaute Radrennteam Ruandas. Die Kolonialmacht Belgien hat den Radsport im Land bekannt gemacht, zudem ist das Fahrrad schon lange ein beliebtes, auch weil bezahlbares Transportmittel in Ruanda. Es wundert nicht, dass einige junge Talente sich aufmachen die Welt des Radsports zu erobern. Adrien Niyonshuti ist einer von ihnen. Er, der als Kind die düstere Zeit überlebte, verwirklichte seinen Traum und nahm am olympischen Moutainbikewettbewerb in London teil.

Trainiert wird das Team von Jock Boyer, dem ersten Amerikaner der an der Tour de France teilnahm. Nach einem gewaltigem Fehltritt ist sein Engagement für ihn ein Neubeginn im Leben. Ähnlich geht es Tom Ritchey, dem Bike-Guru, der in dem zentralafrikanischen Land eine Lebenkrise zu überwinden hofft.

Dass Afrika ein ungeheures Potential an sportlichen Talenten im Ausdauerbereich besitzt ist weithin bekannt. In der Leichathletik dominieren sie schon lange die Mittel- und Langstrecken. Kaum ein grosser Städtemarathon, der nicht von eimem Afrikaner gewonnen wird. Eine ähnliche Entwicklung scheint auch im Radsport stattzufinden, aber Tim Lewis exzellent recherchiertes Buch ist mehr als die ohnehin spannende Geschichte des ruandischen Radsportteams. Voller Menschlichkeit mit all ihren Facetten, zeigt sie auch einen Radsport in seiner ursprünglichen Form – Einfachheit, Hingabe, Begeisterung! Scheinbar weit weg von der hiesigen, skandalträchtigen Radsportwelt wächst eine Generation afrikanischer Fahrer heran, die schon einiges für sich, ihren Sport noch mehr für die Gemeinschaft erreicht haben.

Autor Tim Lewis, ist einer der gefragtesten britischen Zeitungs- und Magazinreporter. Er schreibt u. a. für den Observer und den Esquire. »Das Land der zweiten Chance« ist ein grossartiges und mitreissendes Buch. Lesen, denn nebenbei gibt es noch jede Menge interessanter Dinge zu erfahren.

Buch bei Covadonga

Interview mit dem Autor (englisch)

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