Anquetil – Mit Leib und Seele

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Jacques Anquetil war einer der herausragensten Rennfahrer die der Radsport je hervorbrachte. Mit Beginn seiner Karriere als Radprofi 1953 bis zu seinem Ende 1969 drückte er dem Radsport seinen Stempel auf. Als begnadeter Zeitfahrer brach er schon als junger Profi den Stundenweltrekord von Fausto Coppi. 14 Jahre hielt der Rekord des »Il Campionissimo«, bevor »Monsieur Chrono« die Latte noch etwas höher hob. Er liebte die Rundfahrten, fünfmaliger Tour de France Gewinner, zweifacher Giro d’Italia Sieger, Vueltasieger. Das Peloton nannte ihn respektvoll »Maître Jacques«. Sein Stil, seine Eleganz gepaart mit einer brutalen Tempohärte wurde von seinen Gegnern gefürchtet. Nie gab er sich eine Blöße und die Duelle mit Raymond Poulidor, vor allem bei der Tour de France 1965, schrieben Radsportgeschichte und polarisierten die Grand Nation.

Der mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller Paul Fournel, selbst ein begeisterter Rennradfahrer, zeichnet mit seinem Buch ein Bild dieses begnadeten Rennfahrers, der ihn in durch seine Kindheit und Jugend begleitete. Seine Bewunderung für Anquetil ist nie erloschen, ganz das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Da ist eine Vertrautheit mit dem einstigen Idol die es ihm erlaubt mit Anquetils Stimmme zu sprechen. In »Gegen sich selbst« ist man mittendrin in dem legendären Zeitfahren von Bourgoin nach Lyon, als Anquetil an dem drei Minuten vor ihm gestarteten Poulidor förmlich vorbeifliegt. Die Taktik, die Schmerzen, die Strasse – Fournels schreibt sich förmlich in Anquetil hinein und seine Intensität schafft so ein wunderbares Portrait. Es gelingt ihm, die Distanziertheit und Kühle die dem Maître immer nachgesagt wurde, zu durchdringen. Hilfreich auch die eine oder andere Anektode, etwa als Anquetil zwei Stunden vor dem Start zur Schlußetappe der Tour du Haut-Var in seinem Hotel noch schnell Austern, Kalbsfrikassee und eine Flasche Weisswein bestellt.

1965 gelingt Anquetil das schier Unmögliche. Nach seinem Sieg bei Dauphiné-Rundfahrt, besteigt er nach der Siegerehrung ein Flugzeug das ihn nach Bordeaux bringt. Nur wenige Stunden später startet er mitten in der Nacht zum 600 km langen Eintagesklassiker Bordeaux-Paris. Und er gewinnt auch dieses Monsterrennen. Bis heute gilt dies als eine der größten Leistungen, die jemals ein Rennfahrer erbracht hat.

Paul Fournel bringt einem diesen grossen Champion sehr nahe. Ein Champion der leider viel zu früh starb. Heute vor 27 Jahren verlor Jacques Anquetil mit nur 53 Jahren den Kampf gegen den Krebs. Das Buch setzt ihm kein Denkmal, vielmehr zeigt es den Menschen Anquetil, der in allen Belangen sehr gradlinig und konsequent seinen Weg gegangen ist. Es ist eines dieser Bücher, die man nicht mehr aus der Hand legen kann bis man durch ist. Grosse Erzählkunst.

»Vor ihm hat man sich nicht vorstellen können,
dass es einen Anquetil geben könnte«

Inschrift auf dem Grabstein von Jacques Anquetil

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Das Buch ist erschienen und erhältlich bei egoth

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