»Domestik« Charly Wegelius

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Angestrengt durchwühlte ich meine Erinnerungen nach »Charly Wegelius«. Ich wurde nicht fündig. Wer kein Hardcore Radsportfan ist, dem werden nur die Namen der »Großen« geläufig bleiben. Der Brite Charly Wegelius fuhr 11 Jahre als Profi im Peloton und nahm an allen bedeutenden Rennen und Rundfahrten teil. Gewonnen hat er als Profi nicht ein Rennen  –  Wegelius fuhr als Domestik. Diese früher eher herabwürdigende Bezeichnung für hat sich im Radsport schon lange etabliert und bezeichnet die Fahrer, die der Volksmund auch »Wasserträger« nennt. Domestiken, eine veraltete Bezeichnung für Dienstboten, sind sind der Schlüssel zum Erfolg der Mannschaftkapitäne. Die ganz Guten unter ihnen bekommen noch ein »Edel« vor den Domestik gestellt. Sie sind gefürchtet im Peloton. Ihre Leidensfähigkeit ist hoch und wenn sie leiden trifft es das ganze Feld. In Domestik schildert Wegelius die Stationen seiner Karriere, unterstützt von seinem ehemaligen Kollegen Tom Southam. Der Co-Autor und Journalist Southam fuhr selbst drei Jahre als Profi in Italien.

Charly Wegelius, 1978 als Sohn einer Britin und eines finnischen Olympia-Springreiters geboren, wuchs im englischen York auf. Schon als Jugendlicher verfiel er dem Radsport mit Haut und Haaren.Sein großes Ziel war es Radprofi zu werden und dafür tat er alles. Er trainerte wie ein Besessener, ließ sich gar vom Schulsport befreien um stattdessen Radfahren zu können. Mit der Unterstützung seiner Mutter fuhr er an den Wochenenden zahllose Rennen und wurde für das britische Junioren-Team nominiert. Seine höchst professionelle Einstellung hatte ihm erste Erfolge beschert und der Traum von einer Karriere als Radsportprofi war etwas näher gerückt. Da der britische Radsport Mitte der 90er Jahre auf der internationalen Bühne kaum in Erscheinung trat, entschloss sich der junge Wegelius sein Glück auf dem Kontinent zu versuchen und heuerte beim französischem Amateurteam Vendée U an.

Vendée U wurde dann tatsächlich auch  das Sprungbrett in die Welt der Profis für den jungen Charly. Er bekam einen Vertrag bei Mapei und war ab dem 1. Januar 2000  »Ciclista Professionista«. Als sich der Sponsor zurückzieht landet er bei De Nardi einer zweitklassischen italienischen Mannschaft. Später fährt er für Liquigas und Lotto.

Wegelius und sein Co-Autor nehmen einen mit in das Peloton und der Leser erfährt viel davon wie der Profiradsport so »tickt«. Ein Zitat von Erasmus von Rotterdam, ein Treffenderes dürfte es in diesem Fall wohl kaum geben, ziert die erste Seite des Buches: »DULCE BELLUM INEXPERTIS« (Süß scheint der Krieg jenen, die ihn nie erfahren haben.) Über den Krieg im Peloton, über Qualen, Leiden, Erfolge und Niederlagen, über Einsamkeit, Zerrissenheit und Selbstzweifel, über Freundschaft, Mannschaft und wirtschaftliche Interessen berichtet dieses Buch. Für uns Zuschauer, oder Fans, eine gute Möglichkeit tief einzutauchen in die Welt des Profiradsports.

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